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Wandlampen Jugendstil

Wandlampen Jugendstil

Wandlampen Jugendstil

Eine Wandlampe im Jugendstil ist fast immer über den Arm definiert, nicht über den Schirm. Aus einer schmalen Wandplatte wächst ein geschwungener Halter – Schwanenhals, Ranke oder S-Bogen –, an dessen Ende ein Kelch aus Opal-, Ätz- oder Bleiglas sitzt. Der Arm ist das Ornament; der Schirm ist die Lichtquelle. Wer diesen Aufbau kennt, erkennt die Epoche auch dann, wenn kein einziges Blütenmotiv im Guss steckt.

Typisch sind patinierte Bronze und mattes Messing, Glas in Bernstein, Elfenbein, Moosgrün oder Altrosa und eine Ausrichtung, die aus der Gaslampe stammt: Viele historische Entwürfe leuchten nach oben, weil die Flamme nach oben brannte. Elektrisch ist beides möglich, und genau daran entscheidet sich, ob eine Wandleuchte einen Raum aufhellt oder nur sich selbst inszeniert.

Montagehöhe und Abstand

Wandleuchten verzeihen kaum Fehler in der Höhe, weil sie auf Augenhöhe hängen. Die folgenden Werte gelten unabhängig vom Stil, sind aber bei einem offenen Kelchschirm besonders wichtig: Was über Augenhöhe offen ist, blendet.

Montagehöhe über Fertigfußboden, gemessen zur Mitte der Wandplatte OrtHöheHinweis Flur, Diele, Treppe170 bis 180 cmAbstand untereinander 200 bis 250 cm Neben dem Spiegel im Bad160 bis 170 cmpaarweise, Abstand 60 bis 90 cm zueinander Über dem SpiegelOberkante Spiegel plus 15 bis 20 cmnur mit nach unten offenem Schirm Neben dem Bett als Leselicht110 bis 130 cmgemessen ab Oberkante Matratze plus 40 bis 60 cm Wohnzimmer, als Wandwäscher180 bis 200 cm15 bis 25 cm Abstand zur Wand für den Lichtkegel

Ein Paar wirkt in diesem Stil fast immer besser als eine einzelne Leuchte. Zwei Wandlampen links und rechts eines Spiegels, einer Tür oder eines Kamins setzen die Epoche, ohne dass der Raum eine Deckenleuchte im selben Stil braucht.

Wohin der Schirm zeigt

Nach oben geöffnet

Der Kelch wirft Licht an die Decke, die es diffus zurückgibt. Das ist blendfrei und sehr weich, kostet aber Helligkeit und funktioniert nur unter hellen Decken. In Altbauräumen mit Stuck ist es die stimmigste Lösung, weil das Streiflicht das Profil zeigt.

Nach unten geöffnet

Der Klassiker über dem Spiegel und neben dem Bett. Hier gehört eine mattierte Lampe oder ein Schirm mit Diffusor hinein, sonst sieht man den Leuchtdraht von jeder Sitzposition aus.

Rundum geschlossen

Ein vollständig gefasster Bleiglasschirm ist die pflegeleichteste Variante: Er blendet nie, färbt aber das gesamte Licht ein. Rechnen Sie mit spürbar weniger Helligkeit, als die Wattzahl vermuten lässt.

Im Bad: Schutzbereiche vor Stil

Neben einem Spiegel im Bad gilt zuerst die Elektroplanung. Innerhalb von 60 cm um Wanne und Dusche herum ist eine Leuchte mit Schutzart IP44 vorgeschrieben, außerhalb genügt IP20. Historisierende Entwürfe mit offenem Kelch erfüllen IP44 nur selten – im Zweifel gehört die Zierleuchte an die Spiegelwand außerhalb des Schutzbereichs, und die Wanne bekommt eine unauffällige Leuchte mit passender Schutzart.

Anschluss, Dose und Schalter

Drei Punkte klärt man vor dem Kauf, nicht auf der Leiter:

  • Wo sitzt die Dose? Die Wandplatte muss sie vollständig verdecken. Schmale, hohe Rosetten in diesem Stil sind oft schmaler als eine Standarddose von 68 mm.
  • Aufputz oder Unterputz? Im Altbau liegen Leitungen häufig auf Putz. Ein Entwurf mit rückseitiger Kabelöffnung erspart das Stemmen.
  • Gibt es einen Schalter? Wandleuchten neben dem Bett und im Flur brauchen entweder einen Kippschalter am Gehäuse oder eine geschaltete Zuleitung. Ein Zwischenschalter im sichtbaren Kabel widerspricht dem Stil sofort.

Woher die Form stammt

Die Jahre um 1895 bis 1910 sind der Moment, in dem elektrisches Licht in die Wohnung kommt und ein Schirm zum ersten Mal gestaltet werden muss, statt nur eine Flamme zu schützen. In München entwickelten die Vereinigten Werkstätten um Richard Riemerschmid eine ruhige, konstruktive Linie, in Darmstadt die Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe um Joseph Maria Olbrich und Peter Behrens eine straffere, fast geometrische. Beide gelten als Jugendstil – deshalb steht neben der vollplastisch geblümten Wandleuchte gleichberechtigt der schlichte gebogene Messingarm.

Was daneben passt

Der Stil verträgt ruhige Wände: gebrochenes Weiß, Salbei, Ocker, ein gedecktes Blaugrün. Gemusterte Tapete plus Bleiglas plus Ornamentteppich ergeben Unruhe. Für ein durchgehendes Bild lohnt es sich, Wand und Decke aufeinander abzustimmen – die Deckenseite behandeln Kronleuchter Jugendstil, den Überblick über alle Leuchtenarten der Epoche gibt Lampen Jugendstil. Wer die strengere Geometrie der 1920er Jahre bevorzugt, vergleicht mit den Art déco Wandlampen.

Häufige Fragen

Welche Lichtfarbe passt zu farbigem Glas?

2200 bis 2700 K. Opal, Bernstein und Bleiglas sind auf warmes Licht gemischt; ab 4000 K wirken sie grau, und Bronzepatina kippt ins Schmutzige. Eine Farbwiedergabe ab Ra 90 hält die Glasfarben sauber.

E14 oder E27?

Kleine Kelche und Kerzenformen nehmen E14 auf, größere Tulpen- und Glockenschirme E27. Wichtiger als die Fassung ist die Bauform: Bei offenem Schirm muss die Lampe kurz genug sein, damit sie nicht über den Rand hinausragt.

Ist ein Paar Pflicht?

Nein, aber symmetrische Situationen – Spiegel, Kamin, Türachse, Bettseiten – verlangen es optisch. Als einzelne Leuchte funktioniert der Stil dort, wo er eine Nische, ein Bild oder einen Treppenlauf begleitet.

Funktioniert das auch im Neubau?

Ja. Bei 2,50 m Deckenhöhe sind Wandleuchten sogar die stimmigere Wahl als ein ausladender Kronleuchter, weil sie keinen Kopfraum kosten und die Wandflächen nutzen, die ein Neubau reichlich hat.

Wie pflegt man geätztes oder irisierendes Glas?

Trocken abstauben, danach ein weiches, leicht angefeuchtetes Tuch ohne Scheuermittel und ohne Alkohol. Irisierende Oberflächen sind eine hauchdünne Metallschicht auf dem Glas und reagieren empfindlich auf scharfe Reiniger.