Eine Retro Tischlampe aus dem Formenvokabular der fünfziger und sechziger Jahre besteht fast immer aus zwei Teilen, die man sofort erkennt: einem Fuß aus Teak, Keramik oder lackiertem Metall und einem straff geschnittenen konischen Schirm. Dazwischen sitzt oft nichts weiter als ein dünner Stab. Diese Reduktion ist der Kern der Epoche – die Leuchte zeigt ihre Konstruktion, statt sie zu verkleiden, und sie kommt mit zwei Materialien aus.
Die Proportion, die eine Tischleuchte trägt
Bei diesem Stil entscheidet das Verhältnis von Fuß und Schirm über die Wirkung. Zwei Werte helfen bei der Beurteilung auf dem Foto:
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Der Schirm nimmt ungefähr die Hälfte der Gesamthöhe ein. Die Nachkriegsmoderne arbeitet mit deutlich größeren Schirmen als klassische Stile, weil der Schirm hier die Form ist und nicht nur ein Blendschutz.
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Die Mantellinie ist gerade. Ein Kegel, kein Bauch. Sobald der Schirm sich nach außen wölbt, ist man in einer anderen Epoche.
Gesamthöhe nach Standort
StandortMöbelhöheSinnvolle Leuchtenhöhe
Sideboard80 bis 90 cm40 bis 55 cm
Beistelltisch am Sofa50 bis 60 cm50 bis 70 cm
Konsole im Flur75 bis 85 cm35 bis 50 cm
Schreibtisch75 cm40 bis 50 cm, besser mit Gelenk
Regalfachfrei25 bis 35 cm, kompakter Fuß
Die Grundregel bleibt: Wer daneben sitzt, sollte die Schirmunterkante ungefähr auf Augenhöhe haben. Liegt sie tiefer, blickt man in die Lichtquelle; liegt sie deutlich höher, leuchtet die Lampe an einem vorbei an die Wand.
Materialien der Epoche
Was die Materialien im Alltag bedeuten
MaterialWirkungPraktisch
Teak und Nussbaum, geöltwarm, sichtbare Maserung, das Kernmaterial der Epochegelegentlich nachölen, nicht in die pralle Sonne
Keramik, matt glasiertschwer, standfest, oft in Senfgelb oder Olivgrünunempfindlich, aber stoßempfindlich an der Kante
Lackiertes Metallfarbig, leicht, klare Kantenur feucht abwischen, keine Scheuermittel
Opalglasgleichmäßig leuchtend, blendfreiabnehmbar, mit Spülwasser zu reinigen
Textilschirm, konischweiches Licht nach oben und untenStaub mit weicher Bürste, nie nass
MessingAkzent an Fassung, Ring oder Fußspitzelackiert pflegeleicht, unlackiert patiniert
Wo sie steht und was daneben passt
Diese Leuchten wurden für Sideboards, niedrige Regale und Beistelltische entworfen – also für Möbel, die selbst schon aus Holz sind und Farbe vertragen. Eine Keramikleuchte in Senfgelb auf einem Teak-Sideboard ist die typische Kombination der Epoche und funktioniert bis heute, solange der Rest des Raums ruhig bleibt. Anders als bei streng symmetrischen Stilen braucht es hier kein Paar: Die Nachkriegsmoderne hat mit Einzelstücken und mit asymmetrischen Gruppen gearbeitet. Eine Leuchte auf einem Drittel der Möbellänge, daneben ein Stapel Bücher und eine Vase – das ist die Anordnung, die dazugehört.
Licht: die Lichtinsel im Raum
Tischleuchten liefern kein Grundlicht. Ihre Aufgabe ist der helle Punkt in einem ansonsten ruhig beleuchteten Raum. Für den Wohnbereich reichen 400 bis 800 Lumen; zum Lesen daneben darf es mehr sein, dann aber gerichtet und mit ausrichtbarem Schirm. Die Farbtemperatur bleibt bei 2700 K, denn Teak, Messing und die warmen Lackfarben verlieren unter neutralweißem Licht ab 4000 K sichtbar an Tiefe. Auf Holz lohnt sich außerdem eine Farbwiedergabe ab Ra 90: Unter schlechteren Werten wirkt Nussbaum flach und die Maserung verschwindet. Ein Zwischenschalter am Kabel ist die Bedienung der Epoche und praktischer als ein Schalter an der Fassung, in die man greifen muss.
Häufige Fragen
Welche Fassung ist üblich?
Bei größeren konischen Schirmen E27, bei kleineren Leuchten und schlanken Formen E14. Die Fassung bestimmt, welche Leuchtmittelform hineinpasst: In einen niedrigen Schirm gehört eine kompakte Lampe, weil eine langgezogene Filamentform unten hervorschaut und aus der Sitzposition blendet.
Passt eine Leuchte dieses Stils auf den Schreibtisch?
Als Stimmungslicht ja, als Arbeitslicht nur mit Gelenk. Zum Arbeiten sind auf der Arbeitsfläche etwa 500 Lux sinnvoll, und das schafft ein fester konischer Schirm nur, wenn er direkt daneben steht. Die Epoche hat für diesen Zweck eigene Gelenkleuchten hervorgebracht.
Ist Keramik oder Holz die haltbarere Wahl?
Keramik ist unempfindlicher gegen Feuchtigkeit und Licht, kann aber an Kanten absplittern. Geöltes Holz nimmt Gebrauchsspuren auf, lässt sich dafür nachölen und sieht mit den Jahren besser aus. Beide sind schwer genug, um einen großen Schirm sicher zu tragen.
Welche Schirmgröße passt zu welchem Fuß?
Ein Anhaltspunkt, der bei diesen Formen zuverlässig funktioniert: Der untere Schirmdurchmesser liegt ungefähr beim Doppelten der breitesten Stelle des Fußes, und der Schirm ist etwa ein Drittel breiter als hoch. Bei einem Keramikkörper von 14 cm Breite landet man damit bei rund 28 cm Schirmdurchmesser. Fällt der Schirm deutlich schmaler aus, wirkt die Leuchte kopflastig; ist er viel breiter, verschwindet der Fuß – und der trägt in dieser Epoche die eigentliche Formidee.
Wie unterscheidet sich der Stil von nostalgischen Retro-Formen?
Über das Vokabular. Hier geht es um die Nachkriegsmoderne mit geraden Kegeln, Opalglas und Holz. Breiter zurückgreifende, verspieltere Formen finden sich unter Nachttischlampen Retro und in den anderen Retro-Kategorien.
Was ergänzt eine Tischleuchte im selben Raum?
Eine Lichtquelle im Sitzbereich und eine an der Decke. Passend sind Retro Stehlampen am Sessel und Retro Pendelleuchten über dem Esstisch; für das Schlafzimmer führen Retro Nachttischlampen weiter.