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Orientalische Lampen

Orientalische Lampen

Orientalische Lampen

Orientalische Lampen unterscheiden sich von allen anderen Leuchten durch eine Eigenschaft, die man auf dem Produktfoto kaum sieht: Sie beleuchten nicht nur den Raum, sie zeichnen ihn. Durchbrochenes Messing, farbiges Mosaikglas und feine Filigranarbeit lassen das Licht nur an bestimmten Stellen austreten – und was durchkommt, landet als Muster an Wand und Decke. Die Leuchte ist damit zugleich Lichtquelle und Projektor, und danach richtet sich jede Kaufentscheidung.

Drei Herkünfte, drei Handschriften

Was im Handel unter einem Sammelbegriff läuft, kommt aus drei Werkstatttraditionen mit unterschiedlichen Mitteln. Die Unterscheidung ist praktisch, weil sie sagt, wie viel Licht in den Raum gelangt.

Herkunft, Machart und Lichtwirkung TraditionMachartWas im Raum ankommt Marokkanischgestanztes oder von Hand durchbrochenes Messing, oft mit eingesetzten Buntglasscheiben, Stern- und Laternenformenscharfe Muster an Wand und Decke, wenig Streulicht Türkisch, osmanischMosaik aus vielen kleinen Glasstücken auf einem Glaskörper, Messingrand, Perlenfransenfarbige Lichtflecken, warmes gedämpftes Licht, kaum gerichtete Muster Indischgetriebenes und geätztes Messing oder Kupfer, feine Filigranstege, Glocken- und Kuppelformenfeinmaschiges Muster, deutlich mehr Licht nach unten

Die marokkanische Laterne ist der Prototyp: ein sechs- oder achteckiger Messingkörper, an den Kanten gefalzt, die Flächen durchbrochen. In den Medinas von Fes und Marrakesch werden diese Körper bis heute von Hand ausgeschlagen, und die kleinen Unregelmäßigkeiten der Lochung sind der Grund, warum das projizierte Muster lebendig wirkt und nicht wie ein Raster.

Die Entscheidung, die den Unterschied macht: das Leuchtmittel

Bei keiner anderen Stilgruppe hat die Wahl der Lampe so viel Einfluss auf das Ergebnis. Der Grund ist Geometrie. Ein Muster entsteht nur, wenn das Licht aus einem möglichst kleinen Punkt kommt – dann werfen die Durchbrüche scharfe Kanten. Kommt das Licht aus einer großen leuchtenden Fläche, überlagern sich die Schatten und das Muster verschwimmt zu einem allgemeinen Schimmer.

  • Scharfe Muster an der Wand – klares, kleines Leuchtmittel, kompakte Bauform, kein Opalkolben. Je näher die Leuchte an der Wand hängt, desto kleiner und schärfer der Musterausschnitt.
  • Weiches, gefärbtes Licht ohne Muster – mattiertes oder opales Leuchtmittel. Sinnvoll bei Mosaikglas, wo die Farbe die Wirkung trägt und die Struktur nicht projiziert werden muss.
  • Warme Lichtfarbe – 2200 bis 2700 K. Messing und Kupfer brauchen den warmen Anteil im Spektrum; ab 4000 K wirkt Messing grünlich und das Buntglas stumpf.
  • Farbwiedergabe ab Ra 90 – bei farbigem Glas kein Luxus. Unter schlechteren Werten kippen Rot und Türkis, und der Farbunterschied zwischen den Glasstücken geht verloren.

Wie viel Grundlicht bleibt übrig

Eine durchbrochene Leuchte hält den größten Teil des Lichts zurück. Wie viel, hängt vom Verhältnis von offener zu geschlossener Fläche ab, und das ist von außen schwer zu schätzen – bei fein gelochtem Messing kommen oft nur ein Bruchteil der Lumen als Nutzlicht im Raum an, der Rest wird im Leuchtenkörper geschluckt oder als Muster verteilt. Praktisch heißt das: Eine Laterne dieser Art ist Akzentbeleuchtung, keine Raumbeleuchtung.

Für die Planung hilft der Ausgangswert von etwa 100 Lumen je Quadratmeter für einen Wohnraum, gerechnet über alle Lichtquellen zusammen. Ein 20 m² großes Zimmer braucht demnach rund 2000 Lumen. Wer diesen Bedarf mit durchbrochenen Leuchten allein decken will, hängt entweder zu viele auf oder setzt so starke Leuchtmittel ein, dass die Muster hart und die Messingkanten heiß werden. Der übliche Aufbau ist deshalb zweischichtig: eine ruhige, gleichmäßige Lichtquelle für die Grundhelligkeit und darüber die Laternen für die Wirkung.

Raum für Raum

Wo welche Form ihre Stärke ausspielt RaumPassende FormWorauf zu achten ist Flur, Dielekleine Hängelaterne oder Wandleuchteschmale Bauform, Durchgangshöhe mindestens 210 cm Wohnzimmergroße Laterne oder Kuppel als Solistzweite, ruhige Lichtquelle einplanen EsstischLaterne oder Reihe kleiner AmpelnUnterkante 70 bis 85 cm über der Platte SchlafzimmerTischlaterne, Wandleuchte, Mosaikglasdimmbar oder sehr geringe Lichtmenge Badnur mit passender SchutzartIP44 in den Schutzbereichen, IP20 nur außerhalb Terrasse, überdachtLaterne für Kerze oder als Leuchte mit IP44unlackiertes Messing patiniert im Freien schnell

Der Blickfang funktioniert dort am besten, wo eine freie Wandfläche in der Nähe ist. Eine Laterne mitten in einem vollgestellten Raum verliert genau das, wofür man sie gekauft hat: die Fläche, auf die das Muster fällt.

Abgrenzung zu benachbarten Stilen

Drei Begriffe überschneiden sich im Handel und meinen Verschiedenes. Boho ist eine Materialhaltung – Rattan, Bast, Makramee, Naturtöne – und kennt keine Musterprojektion. Marokkanisch ist eine Untermenge dieser Seite und bezeichnet die durchbrochene Metalllaterne im engeren Sinn. Glamour arbeitet mit Kristall und poliertem Metall auf Glanz, während hier die Struktur und der Schattenwurf die Arbeit machen. Wer geflochtene Naturmaterialien sucht, ist bei Kronleuchter Boho und Wandleuchten Boho besser aufgehoben.

Material und Pflege

Unlackiertes Messing dunkelt nach und bekommt eine ungleichmäßige Patina; das ist bei handgearbeiteten Laternen der beabsichtigte Zustand und lässt sich mit Messingpolitur zurücknehmen, allerdings dauerhaft. Vernickeltes oder antik beschichtetes Messing bleibt, wie es ist, und wird nur trocken abgestaubt. Buntglas und Mosaikflächen vertragen kein Scheuermittel und keine Lösungsmittel – ein nebelfeuchtes Tuch und danach trocken nachwischen genügt. Bei geklebten Mosaiken lohnt es sich, die Leuchte beim Abnehmen am Rahmen und nie am Glaskörper zu halten.

Häufige Fragen

Warum sieht man an meiner Wand kein Muster?

Fast immer liegt es am Leuchtmittel. Eine Lampe mit großem, mattiertem Kolben erzeugt weiches Licht aus einer breiten Fläche, und dabei überlagern sich die Schatten der Durchbrüche zu einem gleichmäßigen Schimmer. Mit einem kleinen, klaren Leuchtmittel kommt das Muster zurück. Der zweite Grund ist der Abstand: Hängt die Leuchte weit von jeder Fläche entfernt, wird das Muster groß und schwach.

Sind diese Leuchten fürs Bad geeignet?

Nur mit ausgewiesener Schutzart. Dekorative Innenleuchten sind in der Regel IP20 und dürfen ausschließlich außerhalb der Schutzbereiche um Wanne und Dusche montiert werden; dort ist mindestens IP44 gefordert. Dazu kommt ein praktischer Punkt: Unlackiertes Messing läuft im feuchten Raum schneller an.

Wie viele Laternen verträgt ein Raum?

Eine große als Solist, oder drei kleine in unterschiedlichen Höhen als Gruppe. Alles dazwischen wirkt unentschieden, und mehr als drei projizierende Leuchten in einem Blickfeld heben ihre Muster gegenseitig auf, weil jede Fläche dann von zwei Seiten angestrahlt wird.

Welche Fassung haben diese Leuchten meistens?

E27 bei größeren Laternen und Kuppeln, E14 bei kleinen Ampeln und Wandleuchten, G9 bei sehr flachen Mosaikkörpern. Wichtiger als die Fassung ist die Frage, ob sich das Leuchtmittel überhaupt wechseln lässt: Bei fest verschlossenen Messinglaternen führt der Weg dorthin über einen abnehmbaren Boden oder eine Klappe, und die sollte vor dem Kauf auf den Fotos zu sehen sein.

Passt der Stil zu einer modernen Einrichtung?

Ja, wenn er allein steht. Vor einer glatten weißen Wand und über schlichten Möbeln wirkt eine durchbrochene Laterne als einzelnes ornamentales Element besonders stark – das Muster braucht ruhige Flächen, keine gemusterten. Schwierig wird es nur in Kombination mit anderen stark gemusterten Oberflächen wie Tapeten oder großen Teppichen.

Was ergänzt eine Deckenlaterne an der Wand?

Wandleuchten derselben Machart, aber sparsam eingesetzt: Sie werfen ihr Muster auf die Wand, an der sie hängen, und wirken dort am unmittelbarsten. Die passende Auswahl steht unter Wandlampen orientalisch.