Ein Lichtervorhang besteht aus einem waagerechten Trägerkabel, an dem in gleichmäßigen Abständen senkrechte LED-Stränge herabhängen. Damit beleuchtet er eine Fläche statt einer Linie — genau deshalb wirkt er am Fenster, an der Balkonbrüstung oder an der Hauswand völlig anders als jede andere Dekobeleuchtung. Wer zum ersten Mal einen kauft, steht vor drei Fragen: welches Maß, welche Schutzart und welche Lichtfarbe. Der Rest ergibt sich daraus.
Aufbau: Trägerkabel, Stränge und Fallhöhe
Das obere Kabel trägt Strom und Gewicht und bestimmt die Breite der Dekoration. Von ihm gehen die Stränge ab, in üblichen Modellen alle 10 bis 30 Zentimeter; auf dem Strang sitzen die Dioden im Abstand von 5 bis 10 Zentimetern. Je enger die Stränge stehen, desto geschlossener wirkt die Lichtfläche — je weiter, desto luftiger und zurückhaltender.
Für die Stränge gibt es zwei Bauweisen. Auf dünnem, biegsamem Kupferdraht montierte Mikro-LEDs verschwinden optisch fast vollständig, sodass die Lichtpunkte frei in der Luft zu schweben scheinen — ideal hinter Glas und im Wohnraum. Dioden auf klassischem PVC- oder Gummikabel sind sichtbarer, halten dafür Wind, Frost und Feuchtigkeit deutlich besser stand und gehören nach draußen.
Bauformen im Überblick
Klassischer Lichtervorhang
Alle Stränge sind gleich lang, die untere Kante verläuft gerade. Die vielseitigste Variante: am Fenster, hinter dem Bett, als Fotohintergrund oder als Raumteiler in offenen Wohnbereichen. Typische Maße sind 2 × 2 m und 3 × 3 m.
Eiszapfen und Eisregen
Hier sind die Stränge unterschiedlich lang, meist zwischen 30 und 70 Zentimetern, wodurch die charakteristische unregelmäßige Unterkante entsteht. Diese Form ist für die Montage entlang von Dachkante, Gesims oder Geländer gedacht und deshalb viel breiter als hoch: gängig sind 3 × 0,5 m, 5 × 0,6 m und 10 × 0,6 m. Am Fenster wirkt sie unruhiger, an der Fassade dagegen souverän.
Lichternetz
Beim Netz bilden die Dioden ein regelmäßiges Raster statt hängender Stränge. Das Netz behält seine Form und lässt sich flach über Hecke, Baumstamm, Mauer oder unter die Decke legen. Für eine gleichmäßig ausgeleuchtete Rechteckfläche ist es die präzisere Lösung.
Vorhänge mit Dekorelementen
Statt nackter Dioden sitzen Sterne, Schneeflocken, Kugeln oder kleine Schirmchen auf den Strängen. Sie leuchten etwas gedämpfter, weil das Material das Licht streut, sehen aber auch tagsüber im ausgeschalteten Zustand nach Dekoration aus — was im Schaufenster und im Kinderzimmer zählt.
Welche Maße passen wohin
Die Breite richtet sich nach dem Montageort, die Fallhöhe nach der Fläche, die verdeckt werden soll. Praxistipp: Fensteröffnung samt Rahmen messen und rund fünfzehn Zentimeter Zuschlag einplanen. Ein leicht locker hängender Vorhang fällt schöner als ein straff gespannter.
Gängige Maße und ihre Einsatzorte
| Maß (Breite × Fallhöhe) |
Passt zu |
| 1 × 2 m |
schmales Fenster, Balkontür, Spiegel, Nischenwand |
| 2 × 1,5 m |
Standardfenster, Regal, Bettkopfteil |
| 2 × 2 m |
breites Fenster, Fotohintergrund, Wohnzimmerecke |
| 3 × 2 m und 3 × 3 m |
Terrassentür, ganze Wand, Hochzeitsdeko |
| 3 × 5 m, 3 × 6 m |
Hausfassade, hohe Schaufenster, Treppenhaus |
| 10 × 0,5 m (Eiszapfen) |
Dachkante, Gesims, Balkon- und Terrassengeländer |
An der Fassade sollten Sie nicht versuchen, alles mit einem einzigen großen Vorhang abzudecken. Mehrere kleinere, nebeneinander gehängt und miteinander gekoppelt, lassen sich sicherer montieren und nach der Saison leichter wieder abnehmen.
LED-Anzahl und Lichtdichte
Die reine Diodenzahl sagt wenig, solange man sie nicht auf das Maß bezieht. Ein Vorhang von 3 × 3 m mit 300 LEDs entspricht etwa zehn Strängen zu je dreißig Lichtpunkten — klar erkennbar, aber durchlässig. Dieselbe Zahl auf 2 × 2 m ergibt eine spürbar dichtere Wirkung.
Orientierungswerte für die Dichte
| Maß |
LED-Anzahl |
Wirkung |
| 2 × 1,5 m |
ca. 150–200 |
zart, punktuell |
| 2 × 2 m |
ca. 200–300 |
ausgewogen, gut für Innenräume |
| 3 × 3 m |
ca. 300 |
luftig, von der Straße aus sichtbar |
| 3 × 3 m |
600 und mehr |
geschlossene Lichtwand |
Lohnend ist auch ein Blick auf den Diodentyp: Mikro-LEDs erzeugen feine, funkelnde Punkte, während größere Standard-LEDs kräftiger leuchten und von draußen betrachtet besser durch die Fensterscheibe kommen.
Schutzart: innen, Balkon oder Fassade
An der Schutzart sollte man nicht sparen, denn sie entscheidet, ob die Dekoration den Novemberregen übersteht. Wichtig: Für das Gesamtsystem gilt immer der schwächste Punkt — meist nicht das Kabel, sondern Trafo und Steckverbindung.
IP-Schutzarten und ihre Montageorte
| Schutzart |
Schutz gegen |
Geeignet für |
| IP20 |
keinen Wasserschutz |
ausschließlich trockene Innenräume |
| IP44 |
Spritzwasser aus allen Richtungen |
Balkon, überdachte Terrasse, Fensteraußenseite |
| IP65 |
Strahlwasser |
Fassade, Garten, ungeschützte Lagen |
| IP67 / IP68 |
kurzzeitiges und dauerhaftes Untertauchen |
professionelle, ganzjährige Installationen |
Hängt der Vorhang innen, liegt aber direkt an einer Scheibe an, auf der sich im Winter Kondenswasser bildet, ist IP44 die sicherere Wahl als IP20.
Stromversorgung: Netz, Batterie, USB und Solar
Netzbetrieb über 230 V ist die Lösung für große Vorhänge und für die Außensaison. Das eigentliche System arbeitet mit Niedervolt — üblich sind 24 V oder 31 V —, ein Trafo hinter dem Stecker setzt die Netzspannung herunter. Die Zuleitung misst häufig nur etwa 1,5 m, die Steckdose muss also nah am Montageort liegen oder eine Verlängerung mit passender Schutzart dazukommen.
Batteriebetrieb mit drei AA-Zellen macht unabhängig von der Steckdose und erlaubt die Montage dort, wo kein Strom liegt: im Zelt, am Messestand, in der Auslage. Der Preis dafür ist die begrenzte Laufzeit, weshalb Batteriemodelle fast immer eine Zeitschaltung mitbringen.
USB-Varianten passen an Schreibtisch, Regal und Powerbank. Solarmodelle laden den Akku tagsüber und schalten bei Dämmerung selbsttätig ein — am Zaun und im Garten praktisch, allerdings verkürzt ein trüber Dezembertag die Leuchtdauer spürbar.
Lichtfarbe: warmweiß, kaltweiß und bunt
Warmweiß mit etwa 2600 bis 2700 Kelvin kommt dem Glühlampenlicht am nächsten und ist im Innenraum die sichere Wahl: Es harmoniert mit Holz, Textilien und warmen Wandtönen. Extra warme Töne um 1900 bis 2400 Kelvin wirken bernsteinfarben und deutlich nostalgischer.
Kaltweiß mit rund 6000 bis 6500 Kelvin hat einen bläulichen Stich und kommt vor Schnee sowie an modernen, grauen Fassaden am besten zur Geltung. Zweifarbige Ausführungen kombinieren warmweißes Dauerlicht mit kaltweißen Blitzen und erzeugen so einen Frost- oder Schneefalleffekt. Bunte RGB-Modelle lassen die Farbe frei wählen oder fließend wechseln — im Laden und in der Gastronomie beliebt, im Wohnzimmer auf Dauer eher anstrengend.
Steuerung: acht Funktionen, Speicher, Fernbedienung und Timer
Die meisten Lichtervorhänge bringen ein Steuergerät mit acht Programmen mit. Zum Standardrepertoire gehören Dauerlicht, langsames Auf- und Abblenden, Welle, Sequenz, Lauflicht, langsames Verlöschen, Blinken und ein kombinierter Modus. Die Speicherfunktion merkt sich das zuletzt gewählte Programm, sodass der Vorhang nach dem Trennen vom Netz wieder genauso leuchtet wie vorher.
Der Timer arbeitet meist im Rhythmus 6 Stunden an, 18 Stunden aus und startet jeden Tag zur selben Uhrzeit, gerechnet ab dem ersten Einschalten. Schalten Sie um 16 Uhr ein, leuchtet der Vorhang die ganze Saison über von 16 bis 22 Uhr. Eine Fernbedienung — überwiegend per Infrarot, seltener per Funk — lohnt sich vor allem, wenn das Steuergerät nach der Montage außer Reichweite hängt, etwa im Obergeschoss oder hoch an der Fassade.
Koppeln und erweitern
Erweiterbare Systeme haben an beiden Enden Steckverbinder, männlich und weiblich, sodass sich mehrere Abschnitte hintereinanderhängen und aus einer einzigen Steckdose speisen lassen. Bei Niedervoltsystemen sind je nach Hersteller bis zu zwanzig Sets und mehrere Dutzend Meter Gesamtlänge möglich. Die angegebene Höchstzahl ist eine harte Grenze: Wird sie überschritten, fällt am Ende der Kette die Helligkeit ab oder der Trafo geht in die Überlast.
Bei solchen Systemen wird das Zuleitungskabel mit Trafo separat gekauft — das erste Set leuchtet für sich allein nicht. Genau daran scheitern die meisten Aufbauten am ersten Abend. Kreuzverbinder erlauben zusätzlich, die Installation zu verzweigen und aus mehreren Vorhängen eine große zusammenhängende Fläche zu bauen.
Montage an Fenster, Wand und Geländer
Am Fenster hängt der Vorhang am einfachsten an der Gardinenstange oder an Klemmhaltern am Rahmen. Für die Scheibe gibt es Saugnäpfe mit Haken, für den Rahmen selbstklebende Clips oder Nägelchen, die neben dem Kabel eingeschlagen werden — niemals durch das Kabel. An der Wand bewähren sich Klebehaken im Abstand von 30 bis 50 Zentimetern oder eine dünne, zwischen zwei Punkten gespannte Schnur, an der der Vorhang wie eine Gardine hängt.
An Balkon- und Terrassengeländern halten Kabelbinder am zuverlässigsten, angesetzt am oberen Trägerkabel und nicht an den Strängen. An der Fassade sollte die Leitung nicht an scharfen Blechkanten scheuern, und der Trafo gehört unters Dach, mit dem Stecker nach unten. Überschüssiges Kabel aufrollen und fixieren: Eine im Wind schlagende Schlaufe zerstört die Verbindungen schneller als jeder Frost.
Sicherheit und Normen
Dekorationsleuchten dieser Bauart fallen unter die Norm EN 60598-2-20. Ein für den europäischen Markt bestimmtes Set trägt die CE-Kennzeichnung samt Konformitätserklärung, die Materialien erfüllen die RoHS-Richtlinie. Im Außenbereich gehört die Installation an eine Steckdose mit Fehlerstromschutzschalter.
Vier Regeln, die wörtlich zu nehmen sind: Sets mit unterschiedlicher Betriebsspannung nicht miteinander koppeln, das Kabel nicht selbst kürzen oder verlängern, den Trafo nicht abdecken und den Vorhang im eingeschalteten Zustand nicht aufrollen. LEDs erwärmen sich sehr viel weniger als frühere Glühlämpchen, Steuergerät und Netzteil brauchen trotzdem freie Luft.
Pflege und Lagerung
Vor jeder Saison die gesamte Leitung auf Scheuerstellen, Risse in der Isolierung und Feuchtigkeitsspuren in den Steckverbindungen prüfen. Ein beschädigtes Kabel scheidet aus, auch wenn das Set noch leuchtet. Staub von Innenvorhängen nimmt ein trockenes, weiches Tuch bei getrenntem Netzstecker auf; Wasser und lösungsmittelhaltige Reiniger machen die Schirmchen matt.
Nach der Saison den Vorhang auf eine Papprolle oder ein festes Stück Karton wickeln und die Stränge dabei ordentlich nebeneinanderlegen. Scharfe Knicke direkt an einer Diode vermeiden — dort reißt der Stromkreis am häufigsten. Gelagert wird trocken und frostfrei, in einer Schachtel statt in einer Plastiktüte, in der sich Kondenswasser bildet. Batterien vor dem Einlagern aus dem Kasten nehmen.
Häufige Fragen
Was ist ein Lichtervorhang?
Eine Dekorationsleuchte aus einem waagerechten Trägerkabel mit senkrecht herabhängenden LED-Strängen. Sie beleuchtet eine Fläche — Fenster, Wand, Geländer — und nicht bloß eine Linie.
Welche Größe brauche ich für mein Fenster?
Fensteröffnung samt Rahmen messen und etwa fünfzehn Zentimeter Zuschlag rechnen. Für ein Standardfenster passt meist 2 × 1,5 m oder 2 × 2 m, für eine Terrassentür 3 × 2 m.
Darf ein Lichtervorhang draußen hängen?
Ja, sofern er dafür freigegeben ist. Unter einem Dach genügt IP44, bei voller Wetterexposition sollte es IP65 sein — und zwar auch für Netzteil und Steckverbindungen, nicht nur für das Kabel.
Wie viele LEDs sollten es sein?
Für ein zwei Meter breites Fenster reichen 150 bis 300 Dioden. Soll der Vorhang von der Straße aus deutlich wirken, nehmen Sie den oberen Wert oder ein Modell mit engerem Strangabstand.
Kann man mehrere Lichtervorhänge verbinden?
Nur die ausdrücklich als koppelbar gekennzeichneten Modelle mit Steckverbindern an beiden Enden und gleicher Systemspannung. Die vom Hersteller genannte Höchstzahl an Sets ist die Belastungsgrenze des Trafos.
Wie funktioniert die Timer-Funktion?
Nach dem Einschalten leuchtet der Vorhang sechs Stunden und bleibt anschließend achtzehn Stunden aus. Am nächsten Tag startet der Zyklus zur selben Uhrzeit von selbst neu, solange die Stromversorgung anliegt.
Verbraucht ein Lichtervorhang viel Strom?
Nein. LED-Stränge liegen typischerweise im einstelligen Wattbereich, ein großer Fassadenvorhang bei wenigen Dutzend Watt. Der Timer senkt den Verbrauch zusätzlich, weil die Dekoration nur abends brennt.
Eiszapfen oder klassischer Vorhang für den Balkon?
Am Geländer sind Eiszapfen die bessere Wahl: Die kurzen Stränge verdecken die Sicht nicht und bieten dem Wind weniger Angriffsfläche. Der klassische Vorhang passt eher an die Balkonwand oder von innen an die Balkontür.
Sinnvoll ist die Reihenfolge Montageort, Schutzart, Maß — und erst danach LED-Anzahl und Lichtprogramme. So vermeiden Sie den häufigsten Fehler, nämlich ein schönes Set, das an seinem vorgesehenen Platz nichts zu suchen hat. Wenn Sie statt einer leuchtenden Fläche eine einzelne Lichtlinie über Terrasse oder Garten spannen möchten, führt der Weg zu den Gartenlichterketten mit Fassungen entlang eines einzigen Kabels.