Maria-Theresia-Luster, Maria-Theresia-Lüster oder Schönbrunner Luster: In Wien sagt man „Luster“, in Deutschland eher „Lüster“, und in Österreich trägt dieser Typ oft den Namen des Schlosses. Gemeint ist immer derselbe Maria-Theresia-Kronleuchter, bei dem das Glas nicht bloß am Gestell hängt, sondern es umhüllt: Die geschwungenen Arme stecken in geschliffenen Glasstreifen, dazwischen schwingen Bögen aus Kristallketten.
Die Form entstand im 18. Jahrhundert in Österreich, zunächst als Maria-Theresia-Krone, eine Antwort auf die französische Behangkrone. Daraus entwickelte sich der eigenständige Lüster, wie man ihn heute kennt. Gebaut wurden diese Leuchter über Generationen vor allem in Böhmen.
Glasbelag statt Metallring: der Aufbau
Den Unterschied sieht man am Arm. Bei einem gewöhnlichen Kristallleuchter bleibt das Metall sichtbar, der Behang ist reine Dekoration. Beim Maria-Theresia-Lüster dagegen ist das Gestell beidseitig mit Glasbelag verkleidet. Traditionell bestand es aus handgeschmiedetem Flacheisen, feuervergoldet oder verzinnt, heute meist aus Messing oder Stahl. Ein goldfarbenes Gestell schimmert warm durch das Glas, ein verchromtes wirkt kühler.
-
Rosetten sitzen dort, wo zwei Glasstreifen aufeinandertreffen, und verdecken Schrauben und Klemmen.
-
Der Korb in der Mitte ist bei vielen Stücken mit geblasenen oder geschliffenen, pyramidenförmigen Glaselementen gefüllt.
-
Tropfschalen aus Glas sitzen unter den Kerzentüllen, ein Erbe aus der Zeit, als hier noch Wachs tropfte.
-
Der Behang besteht aus achteckigen Kettengliedern, die in Girlanden von Arm zu Arm laufen, und aus Einzelteilen, die der Fachhandel Wachtel, Pendel, Birnel und Prisma nennt.
Zwei Grundformen sind verbreitet: die hohe französische Form, die in die Höhe baut, und die breite Wiener Form, die ausladender wirkt. Historische Stücke kommen ohne Mittelstange aus; größere neue Leuchter haben meist eine, weil sie das Gestell versteift.
Altbau oder Neubau: Form, Höhe und Aufhängung
Ob ein Lüster festlich wirkt oder erdrückt, entscheidet vor allem die Raumhöhe. Eine Gründerzeitwohnung mit Stuckdecke verträgt zwei Etagen Arme und eine lange Kette, im Neubau mit rund 2,50 m Deckenhöhe wird derselbe Leuchter zum Hindernis. Für den Durchmesser gilt in beiden Fällen eine einfache Faustregel: Raumlänge plus Raumbreite in Metern, mal acht, ergibt den Durchmesser in Zentimetern. Ein Zimmer von 4 × 5 m verträgt also etwa 70–75 cm.
| Merkmal |
Altbau |
Neubau |
| Typische Raumhöhe |
3,00–3,50 m, oft mehr |
etwa 2,40–2,60 m |
| Passende Form |
hohe französische Form oder zwei Etagen mit 8–12 Armen |
breite, flache Form mit 3–6 Armen oder Deckenversion |
| Höhe des Leuchters |
etwa 20–25 % der Raumhöhe, bei 3,20 m also rund 65–80 cm |
über Laufwegen kaum mehr als 40 cm, über dem Tisch bis etwa 60 cm |
| Aufhängung |
Kette, nach Bedarf verlängert |
kurze Kette oder direkt an der Decke |
| Decke |
oft Holzbalkendecke: Haken in den Balken, nicht in den Putz |
meist Betondecke: Deckenhaken mit passendem Dübel |
Wo Menschen darunter durchgehen, sollte die Unterkante mindestens 2,10 m über dem Boden liegen. Über dem Esstisch darf der Lüster tiefer hängen, 75–90 cm über der Platte, mit einem Durchmesser von etwa der Hälfte bis zwei Dritteln der Tischbreite. Im Neubau ist das oft der einzige Platz, an dem ein größerer Maria-Theresia-Leuchter wirklich zur Geltung kommt.
Bleikristall, Kristallglas oder Acryl?
Ob echtes Bleikristall verbaut ist, merkt man schon, wenn man ein Behangteil abnimmt: Es liegt schwer in der Hand, klingt beim leichten Anschlagen hell nach und zerlegt Tageslicht in Spektralfarben. Als Bleikristall bezeichnet man Glas mit mindestens 24 % Bleioxid, ab 30 % spricht man von Hochbleikristall. Bleifreies Kristallglas und optisches K9-Glas stehen dem im Funkeln kaum nach. Acrylbehang spart Gewicht, verkratzt aber, kann mit den Jahren vergilben und glänzt sichtbar matter. Handgeschliffene Teile erkennt man an scharfen, leicht unregelmäßigen Kanten, gepresste an weicheren Kanten und oft einer feinen Formnaht.
Kerze, Filament, Dimmer
In den Tüllen sitzen meist E14-Fassungen. Funkeln entsteht nur mit klarem Glaskolben: LED- oder Filament-Kerzen mit 2700 K und Ra 90 oder mehr bringen die Prismen zum Leuchten, matte oder opale Kolben machen aus dem Lüster eine gleichmäßig helle, aber stumpfe Fläche. Zwölf Flammen sind am Abend schnell zu viel. Ein Dimmer hilft, funktioniert aber nur mit dimmbaren LEDs, die zum Dimmer passen. Die meisten Modelle haben die Schutzart IP20 und gehören damit in trockene Räume.
Häufige Fragen
Wie bringe ich einen Kronleuchter an?
Zuerst die Decke klären: In Beton genügt ein Deckenhaken mit passendem Dübel, in einer Holzbalkendecke muss der Haken in einen Balken. Gipskarton allein trägt keinen schweren Lüster. Den Anschluss an 230 V übernimmt eine Elektrofachkraft. Den Behang hängen Sie erst ein, wenn das Gestell sicher hängt und angeschlossen ist, genau nach der Anleitung des Herstellers.
Wie reinigt man am besten Kristallleuchter?
Bei ausgeschaltetem Strom und kalten Leuchtmitteln genügt alle paar Wochen ein weicher Staubwedel; Baumwollhandschuhe verhindern Fingerabdrücke. Gründlich wird es ein- bis zweimal im Jahr: Behang abnehmen, in lauwarmem Wasser bis etwa 35 °C mit einem Schuss Spiritus oder Essig spülen und jedes Teil von Hand mit einem fusselfreien Tuch trocknen. Wer nicht abhängen möchte, sprüht einen Kristallreiniger auf und legt vorher Tücher unter den Leuchter, die Fassungen müssen dabei trocken bleiben. Scheuermittel und Spülmittel, das einen Film hinterlässt, sind tabu.
Was sind Synonyme für Kronleuchter?
Lüster, in Österreich Luster, und Leuchter. Kristallleuchter oder Kristalllüster bezeichnen speziell Modelle mit Glas- oder Kristallbehang; der Maria-Theresia-Luster ist eine Unterform davon.
Welche Symbolik hat der Kronleuchter?
Er stand lange für Repräsentation: Kerzen und Kristall waren teuer, ein großer Leuchter zeigte Wohlstand und Gastfreundschaft. Heute steht er vor allem für Festlichkeit und einen Raum, in dem man zusammenkommt.
Lässt sich ein alter Maria-Theresia-Lüster restaurieren?
Meist ja, wenn das Gestell intakt ist. Fehlende Glasstreifen, Rosetten und Behangteile müssen in Form, Größe und Schliff zum Original passen; der Fachhandel führt Glasbelagteile eigens für diese Leuchter. Alte Leitungen lässt man bei der Gelegenheit von einer Elektrofachkraft erneuern. Vollständige Originalteile und eine gut erhaltene Vergoldung bestimmen später auch den Wert.
Passt ein Maria-Theresia-Kronleuchter ins Schlafzimmer oder in eine moderne Wohnung?
Ins Schlafzimmer ja, als kleine Ausführung mit drei bis fünf Armen und Dimmer. In einer reduziert eingerichteten Wohnung wirkt er gerade als einziges üppiges Stück; silberne, verchromte oder schwarze Gestelle sehen dabei weniger höfisch aus als vergoldete.
Mehr über Kronleuchter in anderen Stilen und Materialien: Kronleuchter. Mehr zu flachen Modellen, die direkt unter der Decke sitzen: Deckenkronleuchter.