Designer Lampen sind Leuchten mit einem Autor: einem Gestalter oder Studio, einem Entwurfsjahr und einem Hersteller, der den Entwurf erworben, gebaut und mit seinem Namen unterschrieben hat. Das ist die einzige Definition, die sich nachprüfen lässt, denn gestaltet wird jede Leuchte, auch die günstigste aus dem Baumarkt. Der Unterschied liegt darin, ob die Form eine Entscheidung war, für die jemand geradesteht, oder nur das Ergebnis des billigsten Fertigungswegs.
Vier Prüfpunkte, bevor Sie das Wort glauben
Im Onlinehandel klebt das Etikett „Design“ an allem, was eine ungewöhnliche Silhouette hat. Eine Leuchte, die den Titel verdient, lässt sich dagegen an vier Angaben erkennen, die entweder dastehen oder eben fehlen: der Name des Gestalters, das Jahr des Entwurfs, der Hersteller, der dieses Modell dauerhaft im Programm führt, und eine Aussage darüber, was an der Konstruktion neu war. Fehlen alle vier, ist „Design“ nur ein Adjektiv.
Der zweite Test ist noch einfacher. Eine Ikone lässt sich in einem Satz beschreiben, und dieser Satz sagt, welches Problem sie gelöst hat: ein Schirm, der die Lampe aus jedem Blickwinkel verdeckt; ein Arm, der das Licht über den Tisch bringt, ohne dass in die Decke gebohrt wird; ein Körper aus einem Werkstoff, den vorher niemand in dieser Größe gepresst hat. Eine Leuchte ohne diesen Satz ist einfach schön – das ist ein legitimer Kaufgrund, nur sollte man dafür nicht den Preis einer Autorschaft zahlen.
Die Entwürfe, die den Maßstab gesetzt haben
Ein gutes Dutzend Arbeiten taucht in jeder ernsthaften Darstellung der Leuchtengeschichte auf. Sie zu kennen lohnt sich schon deshalb, weil man dann erkennt, was zitiert wird, wenn irgendwo „inspiriert von“ steht.
Entwürfe, an denen sich bis heute alles misst
EntwurfGestalterJahrWas daran neu war
Bauhaus-Leuchte WG24Wilhelm Wagenfeld, Carl Jacob Jucker1923/24Fuß, Schaft und Kugel aus Glas und Metall, jede Form direkt aus der Funktion abgeleitet, kein Ornament
PH-SystemPoul Henningsenab 1925Mehrere gestaffelte Schirme, so gestellt, dass die Lampe aus keinem Blickwinkel sichtbar ist – Licht ohne Blendung
A330S „Golden Bell“Alvar Aalto1937Messingglocke für das Restaurant Savoy in Helsinki, seither unverändert gebaut
AkariIsamu Noguchiab 1951Washi-Papier auf Bambusrippen: eine Skulptur, die leuchtet und nur wenige hundert Gramm wiegt
AJArne Jacobsen1957Geneigter Zylinder für das SAS-Hotel in Kopenhagen, der das Licht ausschließlich nach vorn wirft
Modell 2097Gino Sarfatti1958Kronleuchter, bei dem die Zuleitungen bewusst sichtbar bleiben und die eigentliche Zeichnung ergeben
ArcoAchille und Pier Giacomo Castiglioni1962Licht über dem Esstisch ohne Deckenauslass: Stahlbogen mit einem Block aus Carrara-Marmor als Gegengewicht
FlowerpotVerner Panton1968Zwei gegeneinander gestellte Halbkugeln, Schirm und Reflektor in einem Körper
TizioRichard Sapper1972Der Strom fließt durch die Arme selbst, deshalb keine sichtbare Leitung; ausbalanciert durch Gegengewichte
Anglepoise 1227George Carwardine1935Federmechanik aus dem Fahrzeugbau: die Leuchte bleibt in jeder Stellung von allein stehen
Original, lizenzierte Neuauflage oder Nachbau
Drei Dinge werden im Handel oft in einen Topf geworfen, und der Preisunterschied dazwischen beträgt leicht das Zehnfache.
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Original aus der Entstehungszeit. Ein Stück aus der historischen Produktion, meist mit Alterungsspuren, häufig mit einer Elektrik, die vor dem Anschluss durchgesehen gehört. Der Wert liegt in der Herkunft, nicht in der Lichtleistung.
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Lizenzierte Neuauflage. Der Hersteller hält die Rechte am Entwurf, baut nach den Originalzeichnungen und liefert heutige Fassungen, heutige Leitungen und ein CE-Zeichen. Für die meisten Käufer ist das die vernünftige Variante: gleiche Form, sichere Technik, Ersatzteile über Jahre.
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Nachbau. Äußerlich ähnlich, ohne Lizenz gefertigt, meist mit anderem Material, anderen Wandstärken und anderem Reflexionsverhalten. Beim PH-System und ähnlichen Konstruktionen ist das kein kosmetischer Unterschied: Die Blendfreiheit hängt an Krümmung und Abstand der Schirme, und genau daran wird beim Nachbau gespart.
In Deutschland ist die Frage nach dem Nachbau nicht nur eine Geschmacksfrage. Entwürfe der angewandten Kunst sind hier urheberrechtlich geschützt, und deutsche Gerichte haben mehrfach entschieden, dass der Verkauf von Nachbauten an Käufer in Deutschland auch dann in dieses Recht eingreift, wenn Lager und Versender im Ausland sitzen. Für Sie als Privatkäufer heißt das vor allem: Angebote, die eine bekannte Ikone ohne den Namen des lizenzierten Herstellers und auffällig günstig anbieten, kommen oft ohne belastbare Gewährleistung, ohne Ersatzteile und gelegentlich ohne saubere Konformitätsunterlagen.
Warum eine Ikone selten die beste Arbeitsleuchte ist
Der ehrlichste Satz auf dieser Seite: Skulptur und Sehaufgabe sind zwei verschiedene Aufträge. Eine Leuchte, die als Objekt im Raum funktioniert, streut ihr Licht häufig sehr breit, sehr warm und sehr weich – wunderbar für die Stimmung am Abend, unbrauchbar zum Lesen von Kleingedrucktem. Umgekehrt sind Konstruktionen wie Tizio oder Anglepoise ausgezeichnete Arbeitsgeräte, aber sie stehen nicht als Skulptur im Raum, sondern auf dem Schreibtisch, wo sie hingehören.
Planen Sie deshalb nicht eine Leuchte pro Raum, sondern Aufgaben. Eine Grundhelligkeit an oder unter der Decke, ein Licht dort, wo tatsächlich gearbeitet oder gelesen wird, und ein bis zwei tiefe, warme Lichtpunkte für den Abend. Erst danach entscheiden Sie, welcher dieser Punkte das Objekt sein darf, über das gesprochen wird.
Welche Bauform welche Aufgabe übernimmt
Die Ikonen verteilen sich nicht zufällig auf die Bauformen. Wo Sie welche Entwürfe suchen sollten:
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Design Pendelleuchten hängen über Esstisch und Kücheninsel – hier sitzt die dichteste Sammlung an Klassikern, vom PH-System bis zur Messingglocke.
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Designer Stehlampen lösen das Problem, dass der Deckenauslass fast nie dort sitzt, wo das Licht gebraucht wird.
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Design Schreibtischlampen sind Werkzeuge mit Gelenk, Feder oder Gegengewicht und werden nach Reichweite und Blendfreiheit gekauft, nicht nach Silhouette.
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Design Wandleuchten arbeiten dort, wo keine Stellfläche frei ist, und müssen zur vorhandenen Anschlussdose passen.
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Design Kronleuchter sind der Sonderfall: ein einzelner Punkt, der einen ganzen Raum trägt.
Wer eher an einer Epoche als an einer Autorschaft interessiert ist, findet unter Retro Lampen die Formensprache der Fünfziger und Sechziger und unter Lampen im Jugendstil die geschwungene Gegenwelt dazu.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich eine lizenzierte Neuauflage?
Am Namen des Herstellers, der die Rechte hält, und an der Dokumentation: Der lizenzierte Hersteller nennt Gestalter und Entwurfsjahr im Datenblatt, liefert eine Konformitätserklärung und hält Ersatzteile wie Schirme, Fassungen und Gelenke vor. Fehlt der Herstellername und steht stattdessen „im Stil von“ oder „inspiriert von“, handelt es sich um einen Nachbau.
Lohnt sich der Aufpreis überhaupt?
Er lohnt sich dort, wo die Form eine optische Leistung erbringt. Bei blendfreien Schirmsystemen, bei ausbalancierten Gelenkarmen und bei allem, was über Jahre mechanisch bewegt wird, zahlen Sie für Geometrie und Fertigungstoleranzen, die man sieht und fühlt. Bei einer einfachen Kugel an einem Kabel zahlen Sie überwiegend für den Namen.
Welches Leuchtmittel gehört in einen Klassiker?
Fast alle historischen Entwürfe sind für eine sichtbare oder halbsichtbare Glühlampe gezeichnet worden. Eine Filament-LED mit 2200 bis 2700 Kelvin trifft dieses Bild am besten, weil sie einen ähnlich kleinen, punktförmigen Leuchtkörper hat. Bei geschlossenen Schirmen achten Sie auf die zulässige Leistung und darauf, dass die Wärme abziehen kann.
Passt ein Designklassiker in eine Mietwohnung?
Meistens ja, sofern Sie nicht auf einen bestimmten Deckenpunkt angewiesen sind. Steh- und Tischleuchten brauchen nur eine Steckdose, Bogenleuchten holen das Licht über den Tisch, ohne dass gebohrt wird, und beim Auszug gehen sie mit. Fest montierte Wand- und Deckenleuchten sollten Sie so wählen, dass sie die vorhandene Anschlussdose vollständig abdecken.
Wie kombiniere ich mehrere Klassiker in einem Raum?
Ein Objekt führt, alles andere ordnet sich unter. Zwei Ikonen in Sichtachse konkurrieren miteinander, drei wirken wie eine Ausstellung. Halten Sie stattdessen Metallton und Lichtfarbe über alle Leuchten eines Raums zusammen – gleiches Messing, gleiche Kelvinzahl – dann verträgt sich ein starkes Objekt problemlos mit zurückhaltenden Nachbarn.